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Im Mai
1999 kamen mehrere hundert Gewerkschafter und Betriebsräte aus
15 verschiedenen Ländern im Städtchen Ören in der Türkei zusammen,
um über die wesentlichen Probleme, denen die Arbeiterbewegung
heute gegenübersteht, zu diskutieren. In der gemeinsamen Abschlußerklärung
stellten sie folgendes fest: "Unsere Konferenz weist darauf
hin, daß ähnliche Initiativen in der nächsten Zeit auch in anderen
Ländern gestartet werden müssen, damit ein Meinungsaustausch
unter den Gewerkschaftern weiterhin stattfindet und in der Gewerkschaftsbewegung
eine gemeinsame Haltung weiter entwickelt werden kann."
Seither
ist ein knappes Jahr vergangen, in dem die Angriffe des Kapitals
gegen die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften weiter verschärft
wurden und die Notwendigkeit gemeinsamer Diskussionen und gemeinsamer
Kämpfe ist heute brennender denn je. Rechte und Freiheiten,
die in Jahrzehnten langer, opfervoller Auseinandersetzungen
errungen wurden, sind heute nicht nur in den abhängigen, sondern
auch in den zentralen Ländern des Kapitalismus in Frage gestellt.
Auch in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern, in denen
die Politik des Sozialstaates entwickelt wurde, muss die Arbeiterbewegung
neue und schärfere Kämpfe ins Augen fassen, um die in 50 Jahren
erkämpften Errungenschaften zu verteidigen. Den ArbeiterInnen
in den unterentwickelten und abhängigen Ländern geht es nicht
besser. Die Landwirtschaft und Industrie dieser Länder werden
völlig ruiniert, ihre Souvärenität mit Füssen getreten wird
und sie werden in die völlige wirtschaftliche Abhängigkeit getrieben.
Die Mehrheit der Menschen ist einer Verschärfung von Elend und
Armut ausgesetzt.
Die Strategien
der internationalen Konzerne, der führenden kaptialistischen
Länder und der Finanzzentren werden im Rahmen der "Globalisierung"
in einigen Punkten konzentriert.
Privatisierungen
beispielsweise haben das Ausmaß eines Generalangriffs gegen
alle Sektoren in fast allen Ländern erreicht. Privatisierung
und die Verlagerung von Betrieben in Länder, in denen die Arbeitskräfte
billig und unorganisert sind, sind Faktoren, die die Arbeitslosigkeit
verschärfen. Die Arbeitslosigkeit wird von den Kapitalisten,
die sie produziert haben, immer offener und öfter als ein Mittel
der Erpressung gegen die Arbeiterklasse eingesetzt. Obwohl die
Gewinne der großen Konzerne und Unternehmer immer größer ausfallen,
wird unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit gefordert, die
Löhne einzufrieren bzw. zu senken, die Arbeitszeiten auszuweiten,
die Staatsquote zu senken und Sozialleistungen abzubauen. Durch
das Einschwören auf die Standortlogik wird versucht, den Einfluß
der Gewerkschaften als Gegenmacht weiter zu schwächen, die infolge
der Angriffe des Kapitals und der angepassten Haltung von Gewerkschaftsführungen,
immer mehr Kraft und Mitglieder verlieren.
Die
Angriffe des Kapitals gegen die Arbeiterklasse sind nicht auf
wirtschaftliche Bereiche begrenzt. Parallel dazu wird eine Offensive
gegen politische Rechte und Freiheiten geführt. In vielen Ländern
wurden neue reaktionäre Maßnahmen ergriffen. Verbote von Streiks
und Demonstrationen, die Faschisierung und Militarisierung des
Staatsapparates, die Ausbreitung von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
und andere Entwicklungen machen deutlich, daß auch die Verteidigung
der Demokratie eine Aufgabe im Kampf der Arbeiterklasse ist.
Vor
diesem Hintergrund haben wir als klassenkämpferische GewerkschafterInnen
beschlossen, diesesmal in Europa (Frankreich) zusammenzukommen,
um über die Gemeinsamkeiten im Kampf gegen diesen Kapitalismus
zu diskutieren und den Widerstand der Gewerkschaftsbewegung
weiterzuentwickeln.
Europa
hat in der internationalen Arbeiterbewegung stets eine zentrale
Rolle gespielt. Diese Tatsache hat für unsere Konferenz eine
besondere Bedeutung.
Der wochenlange,
große Streik der französischen Arbeiterklasse im Jahre 1995
hat ein Signal für eine neue Ära in der internationalen Arbeiterbewegung
gesetzt.
Auf
unserer Konferenz möchten wir zusammen mit unseren französischen
Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrem großartigen Kampf der
Arbeiterbewegung neuen Mut gegeben haben, folgende Themen behandeln
und diskutieren:
"Globalisierung"
- Was
sind die Triebkräfte und Entwicklungstendenzen
- Welche
sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen gibt es auf die Arbeiterklasse
(Privatisierung, Flexibilisierung, Deregulierung, Arbeitslosigkeit
, Billiglöhne, Kinderarbeit...)
- Welches
sind gemeinsame Ziele und Ansatzpunkte für Gegenwehr
"Gewerkschaften"
- Gegen
die Anpassung der Gewerkschaften an die Kapitallogik und für
die Verteidigung der Gewerkschaften als Kampforganisationen
- Gegen
die Versuche des Kapitals die gewerkschaftliche Organisation
zu schwächen oder abzuschaffen und gegen die Kriminalisierung
von GewerkschafterInnen
“Internationalen
Zusammenarbeit”
- Wege
und Möglichkeiten der internationalen gewerkschaftlichen Zusammenarbeit.
Bildung von Komitees für internationale Solidarität und Kontaktpflege
Wir rufen
alle klassenbewussten GewerkschafterInnen aus aller Welt, insbesondere
aber aus den europäischen Ländern auf, an der Konferenz teilzunehmen,
ihre Erfahrungen einzubringen und somit einen Beitrag zur Entwicklung
des gemeinsamen Kampfes zu leisten.
Die
Konferenz fängt am Freitag, den 30. September um 14:00 Uhr an
und endet am Sonntag, den 01. Oktober um 14:00 Uhr. Nähere Informationen
und Materialien werden nach der Anmeldung zugeschickt.

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